Verantwortung in Zeiten von Corona

Die Erzieher*innen der Kita in Bötzow sollen Mundnaseschutz tragen, wenn sie mit den Kindern arbeiten. Die Meinungen der Menschen, die sich dazu auf Facebook äußeren, sind sehr unterschiedlich: von “ Es ist eine Schande, was den armen Kindern damit angetan wird“ zu “ Gut, dass mehr Kinder wieder betreut werden und die Einrichtung dabei so umsichtig handelt.“ enfaltet sich die Bandbreite der Urteile über diese Entscheidung.

Entscheidungen zu treffen ist derzeit schon für viele Bereiche des alltäglichen Lebens eine Herausforderung. Wollen wir Oma besuchen? Können wir uns auf die Abschätzung der damit verbundenen Risiken einigen und tragen gemeinsam als Erwachsene und Teil einer Familie die Verantwortung? Welche Quellen ziehen wir für diese Entscheidung zu Rate? Welcher Expertise vertrauen wir? Welche Vorsichtsmaßnahmen treffen wir und wo sind unsere persönlichen Prioritäten. Diese und ähnliche Fragen stellen sich die Menschen derzeit täglich und finden in ihrem privaten Umfeld Lösungen, deren Konsequenzen sie alleine zu tragen haben.

Anders und viel komplexer sieht es aus für Menschen, die in der Verantwortung für andere entscheiden müssen. Zum Beispiel für einen Betrieb und die darin beschäftigten Menschen, für die sie abwägen müssen zwischen den wirtschaftlichen Zwängen und dem gesundheitlichen Schutz ihrer Angestellten.

Fehler zu machen kann sich niemand erlauben: Finanzielle Einschnitte sind für manchen Betrieb zwar kaum zu verkraften, aber eine Gefahr für die Gesundheit oder gar das Leben der von den Entscheidungen Betroffenen kann niemand in Kauf nehmen.

Und noch größer ist diese Verantwortung, wenn es um Kinder geht, die selbst nicht in der Lage sind, Risiken abzuschätzen und umsichtig zu handeln.

Die Verantwortlichen der Kita haben im Hinblick auf den deutlichen und für die betroffenen Familien sehr entlastenden Anstieg der zu betreuenden Kinder eine Entscheidung getroffen. Sie haben rechtlichen Vorgaben zugrunde gelegt und wissen gleichzeitig, dass im Umgang mit den Kindern natürlich kein Abstand eingehalten werden kann. Sie wissen aber auch, dass Kinder stille Überträger der Coronaviren sein können. Selbstverständlich müssen sie daher Maßnahmen treffen, um sich selbst, die eigenen Angehörigen und nicht zuletzt die Familien und Kinder zu schützen. Sollten sie dies unterlassen und es käme dadurch zu schlimmen Folgen für andere, müssten sie sich dafür veranworten. ( Und diejenigen, die sich nun ein negatives Urteil erlauben, wären vermutlich die ersten Ankläger.)

Also haben sie entschieden, den Kindern unter der fachlichen pädagogischer Begleitung der Mitarbeiter* innen Masken zumuten zu können, um so einen praktikablen Kitaalltag und damit eine Betreuung überhaupt erst zu ermöglichen. Sie haben die Masken als angemessenes Mittel zum Schutz gewählt, weil sie Quellen und Empfehlungen zugrunde legen, von denen sie wissenschaftlich Fachkenntnis und Unabhängigkeit erwarten.

Eine komplexe Abwägung also, über die man unbedingt diskutieren kann, bei der ein schnell herausgetrötetes Urteil aber weder dem zugrundliegenden Prozess Rechnung trägt noch denjenigen Respekt zollt, die für diese Entscheidung gearbeitet, sie nach bestem Wissen und Gewissen getroffen haben und die Verantwortung dafür tragen. Ob die Entscheidung richtig und angemessen ist, wird man vermutlich wenigstens im Moment nicht abschließend beantworten können.

Ein Prinzip, dass zur Zeit auf viele Bereiche übertragbar ist: es gibt keine einfachen Antworten, keine simplen Erklärungen, kein Recht auf schnelle Urteile, aber die Pflicht, in den Dialog zu gehen, zu diskutieren und zu hinterfragen, um gut begründete Entscheidungen zu treffen.

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